Erst akzeptiert - dann diffamiert: TG trifft auf düsteres Kapitel der Stadt Horb

Erst akzeptiert - dann diffamiert: TG trifft auf düsteres Kapitel der Stadt Horb

Di, 22.10.2019 - 13:40
0 Kommentare

Bildungsreferent Benedict von Bremen führte Schüler des Technischen Gymnasiums mit  Religionslehrerin Frau Reckert durch die Ausstellung  „Häuser des Lebens. Die jüdischen Friedhöfe von Horb .“

Im jüdischen Betsaal der Stadt Horb ging es diesmal um das Thema Tod und Trauer im Judentum.

Horber Juden erlitten  bereits im Mittelalter, als die Stadt zur vorderösterreichischen Grafschaft  Hohenberg gehörte,  Verfolgung und Tod:  1348 wurden sie  als Sündenböcke auf dem Hohenberg  gefoltert oder auch verbrannt,  da man ihnen die Schuld an der in Europa grassierenden Pest zuschob.

Später ließen sich immer wieder jüdische Familien in Horb nieder, jedoch hatten diese unter äußerst  restriktiven Bestimmungen zu leiden.

In den von örtlichen Adeligen und dem Johanniterorden regierten umliegenden Dörfern  bildeten sich dagegen stabile jüdische Gemeinden.

Schließlich wurde Horb 1806 Oberamtsstadt im königlichen Württemberg. Die jüdische Bevölkerung  zog nun gleichberechtigt aus den Dörfern nach Horb.

Der Bildungsreferent verwies in diesem Zusammenhang auf eine Reihe jüdischer Geschäfte in Horb, die  durch den  Zuzug  jüdischer Geschäftsleute in der Stadt Horb Rang und Namen fanden:

Jüdische Kaufleute, Bankiers sowie Fabrikbesitzer zogen mit ihren Familien nach Horb: 1890 zählte die Stadt 107 Juden, die in  der christlichen Bevölkerung beliebt und integriert waren.

Der Rabbiner  Dr. Abraham Schweizer und der Arzt Dr. Joseph Rosenfeld zählten damals zu den Honoratioren der Stadt.

Mit dem aufkommenden Nationalsozialismus 1933 änderte sich das Klima jedoch auch in der Stadt Horb:

Bereits am 1. April 1933 wurden jüdische Geschäfte boykottiert und Juden ausgegrenzt, Berufsverbote setzten ein.

Die erste jüdische Familie floh bereits 1933 aus Horb  nach Frankreich, andere Familien flohen  später nach Amerika.

Der jüdische Betsaal wurde in der Reichspogromnacht am 9.11.1938 geschändet und jüdische Geschäfte zerstört sowie jüdische Männer verhaftet und ins KZ Dachau verschleppt,  wo sie an den Folgen der Misshandlungen starben.

1941 wurden die letzten jüdischen Einwohner zwangsweise nach Rexingen umgesiedelt. Ende 1941 wurden 25 von ihnen nach Riga und Theresienstadt deportiert.

Das Gedenkbuch des Bundesarchivs verzeichnet 27 in Horb am Neckar geborene jüdische Bürger, die  dem Völkermord des nationalsozialistischen Regimes zum Opfer fielen.  Hier verwies der Referent auf die Stolpersteine in Horb, die an die ermordeten jüdischen Bürger der Stadt erinnern.

Der jüdische Betsaal wird seit 2012 von der Stiftung Jüdischer Betsaal Horb als Ausstellungsort genutzt.

2 Ausstellungstafeln verwiesen auf die Flucht 2er Rexinger Jüdinnen, die anschaulich über jüdische   Trauerrituale anlässlich des Todes naher Angehöriger berichteten.  

Allen Ausstellungsbesuchern wird daraus abschließend ersichtlich, dass Tod und Trauer nach jüdischem Verständnis  immer auch  Sache eines ganzen Dorfes ist:  Dieses erweist dem Verstorbenen nicht nur die letzte Ehre,  sondern tröstet und unterstützt tatkräftig auch dessen Hinterbliebene!

Schlagworte