Berufliche Schule Horb für Fernunterricht gerüstet

Berufliche Schule Horb für Fernunterricht gerüstet

Di, 17.11.2020 - 10:15
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Schon nach wenigen Wochen fühlen sich die Schüler auf Quarantäne bedingten Fernunterrichts sehr gut vorbereitet. Umfrage belegt die Einschätzung des Kollegiums. Technisches Gymnasium nun zu 100% mit Tablets ausgestattet. Duale Partner ziehen beim digitalisierten Unterricht mit.

Nachdem die erste Corona-Welle im Frühjahr auch über die Schulen hereingebrochen war, konnte die Berufliche Schule Horb von der datentechnischen Breitbandanbindung direkt und sehr zeitnah profitieren. Fernunterricht im Online-Format, von Lehrern entwickelte Videolernfilme, Live-Unterricht aus dem Klassenzimmer – egal ob mit voller oder nur halber Besetzung, der Unterricht konnte gemäß Stundenplan unterrichtet werden. Somit konnte der Stundenausfall auf ein Minimum reduziert werden.

Schon während dieser ungewollten Generalprobe hinsichtlich einer zweiten Infektionswelle wurden aber hausintern kritisch Positives und Negatives besprochen und es wurden Konsequenzen zum neuen Schuljahr definiert und umgesetzt.

Das Engagement und die Bereitschaft sich Neuem zu stellen, sei greifbar gewesen, so Schulleiter Jochen Lindner. In einem gemeinsamen Findungsprozess habe man sich dann aus den vielen Möglichkeiten wie Zoom Jitsi, Sky, BigBlueButton und Microsoft TEAMs für letztes als schulweites einheitliches Konferenztool entschieden. Die Berufliche Schule stellt seit letztem Schuljahr seinen Schülern das gesamte Microsoft-Office-Paket kostenlos zur Verfügung. Man sehr froh, dass nun auch die vom Land Baden-Württemberg derzeit entwickelte digitale Lernplattform auch einen offiziellen Schulversuch mit Mircosoft aufgesetzt hat. Die Berufliche Schule Horb will sich hierbei um die Teilnahme bewerben.

Darüber hinaus wurde das pädagogische Netz neu aufgesetzt, so dass die Schüler sich nun im „Single Sign“ - Modus nur noch mit einem einzigen Passwort im Schulnetzwerk anmelden müssen. Dies erhöht die Unterrichtszeit deutlich, da die Suche nach dem richtigen Passwort entfällt.

Die bedeutendste Konsequenz war aber, dass ein Schulungssystem aller Schüler etabliert wurde, in welchem allen Schüler die Grundlagen der digitalen Kommunikation an sowohl schulischen als auch privaten Endgeräte vermittelt wurden.

Anschließend wurden dann die geplanten Testtage schulweit durchgeführt. Gemäß speziellem Plan wurden über drei Tage hinweg alle Klasse unter Vermeidung von Unterirchtsausfall für einen Tag von der Schule aus zuhause unterrichtet. Anschließend wurde dann dieser Testtag evaluiert und mit den Schülern besprochen. Am Elternabend in Videoformat wurden abschließend die Eltern zum Fernunterricht und dessen Umsetzung befragt. Diese waren hinsichtlich der Ergebnisse und Rückmeldungen sehr zufrieden und beruhigt im Hinblick auf die Abschlussprüfungen.

Bis zum Auswertezeitpunkt der Umfrage hatten schon schnell 288 Schülerinnen und Schüler geantwortet. Ergebnis: 285 Schüler konnten dem Onlineunterricht wie im Präsenzunterricht folgen – und dies auch auf dem privaten Handy. Die befragten Schüler stuften die Qualität, wie sie auf den eventuell eintretenden Fernunterricht vorbereitet sind, mit durchschnittlich 4,64 von 6 Sternen ein. „Für mich ist dies das wichtigste und auch gelungenste Ergebnis, dass 273 Schüler für sich wahrgenommen haben, dass Sie auch von zuhause aus mitdiskutieren können. Keine Angst vor Fernunterricht – ich kann das!“ freut sich Lindner. Dieses Wissen und die eigene Resilienz, dass man eventuellen Stress in der Zukunft beherrschen kann, ist eines der zentralen Themen in der beruflichen Bildung.

Von Seiten der Lehrerschaft wurde nach der „Corona-Generalprobe“ ebenfalls weiterer Fortbildungsbedarf gemeldet.
Die während des Schulalltags auftretenden technischen Probleme innerhalb des sehr komplexen WLANs seien bereits benannt und in die Planungen zum Medienentwicklungsplan mit eingeflossen.

Bei den gesamten Bemühungen profitiere die Schule sehr stark durch Schulversuche an den Beruflichen Schulen wie z.B. der „tablet-bs“-Schulversuch.Hier stellt das Land gewisse Ressourcen bereit, um die Digitalisierung auch auf fachlicher Ebene voranzutreiben. Gemeinsam mit den Ausbildungsbetrieben wurde ein Konzept zur Umsetzung des digitalisierten Unterrichts entwickelt. Die Berufsschule Metall ist seit nun zwei Jahren mit im Boot – und fungiert somit als Keimzelle und Multiplikator innerhalb der Schule.

Auch aus einem anderen Grund freut sich Lindner über das Ergebnis dieser Umfrage, hat er doch zu Beginn dieses Schuljahres erstmals ein Jahresziel an seiner Schule und das Kollegium ausgegeben. „Ein Ziel, was unsere Arbeit mit und am Schüler sichtbar machen soll“ so Lindner.

So sollen am Ende des Schuljahres 2020/21 mindestens 90% aller Schülerinnen und Schüler, ohne Druck oder Beeinflussung durch die Lehrerschaft, mindestens einmal positiv oder gar werbend mit Freunden oder Verwandten über die Berufliche Schule Horb gesprochen haben.

„Unsere Schüler sind die besten Werbeträger und das geht nur, wenn es ehrlich und authentisch ist“, stellt Lindner dar. „Unsere Arbeit muss derart gut sein, dass die Schülerschaft erfolgreich die unterschiedlichen Bildungsgänge besteht und dies geht über Beziehung, Engagement, Professionalität der Lehrerschaft und technische Ausstattung.“

Zu Beginn des Schuljahres wurde daher eine Ist-Zustandsanalyse durchgeführt. Hieraus ergab sich, dass bereits nach zehn Wochen mehr Schüler positiv von sich aus über die Berufliche Schule in Horb Schule geredet hätten, als dass dies in der Vergangenheit über Jahre hinweg getan wurde. Dies sei für die Schule die schönste Rückmeldung, die es nun zu bestätigen gilt, so Lindner.

Hinsichtlich der Digitalisierung wünscht sich Lindner für alle in der Region vorhandenen Bildungseinrichtung die notwendige Breitbandanbindung. Sicher sei, dass die Digitalisierung erst ab einem gewissen Alter eine Rolle spielen solle, aber „es bringt nun einmal nichts, wenn das beste Netz im Schulgebäude draußen nur an einem Schnürsenkel anstelle an einem Tau hängt“.

 

Quelle: Schwarzwälder Bote - Originalartikel vom 9. November 2020.