War da was bei uns?

War da was bei uns?

Mi, 22.02.2017 - 11:11
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Die Schulklassen 3BKM2 sowie die Jahrgangsstufe 1 des Technischen Gymnasiums besuchten zusammen mit Religionslehrerin Frau Reckert die Ausstellung „War da was bei uns?“ im Museum Jüdischer Betsaal in Horb. Das Besondere an dieser Ausstellung war, dass sie von einer neunten Klasse der Christiane-Herzog-Realschule in Nagold erarbeitet worden war.

19 Ausstellungstafeln gaben Auskunft über die Entwicklung des Nationalsozialismus im Gebiet des Oberen Nagoldtales. Auf welche Weise Ausgrenzung und Verfolgung von Juden im Oberen Nagoldtal zwischen 1933 und 1945 stattfand, recherchierten die Horber Schüler zunächst in Kleingruppen.

Nicht nur Juden, sondern auch wer als Nichtjude mit einer Jüdin verheiratet war, hatte mit Schikanen zu rechnen: deshalb musste zum Beispiel ein Arzt 1938 seinen Beruf aufgeben. Auch wurden von Seiten des Nazi-Regimes nicht-jüdischen Ehepartnern das Betreten öffentlicher Schulen sowie Universitäten untersagt und Arbeitsverbote waren für jene an der Tagesordnung.

War die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) in Baden-Württemberg 1924 noch mit 4,1 % vertreten, so stieg die Zahl der Wähler 1932 allein im Oberen Nagoldtal auf 43,5 % . In der katholisch geprägten Stadt Horb spielte dagegen die Zentrumspartei eine bedeutendere Rolle.

Trotz des Nazi-Terrors war es Nicht-Juden möglich, verfolgten Juden zu helfen. So setzte sich der Firmenchef Adolf Häfele in Nagold nachhaltig für seinen jüdischen Arbeitnehmer Adolf Kaufmann ein: 1932 stellte er den 1903 in Pforzheim geborenen Adolf Kaufmann als Reisevertreter in seiner Firma an, ab 1938 sorgte Adolf Häfele dafür, dass die heimliche Vergütung an Adolf Kaufmann aufgrund interner Sonderaufgaben fortbestehen konnte. Adolf Kaufmann wohnte von 1932 bis 1938 im Gasthaus Linde und konnte ab 01.09.1938 bis 31.03.1939 eine private Unterkunft seines Firmenchefs beziehen.

Der zumehmende Naziterror in Nagold zwang Adolf Kaufmann Ende März 1939 nach Vaihingen zu fliehen und schließlich noch vor Kriegsausbruch Ende Juli 1939 nach Frankreich auszuwandern. Einer Internierung entkam er wegen der deutschen Besatzung in Frankreich dennoch nicht. Er konnte aber nach dem Zweiten Weltkrieg seiner Tätigkeit als Handelsvertreter in Paris unbehelligt nachgehen.

Im Anschluss an der Besuch der Ausstellung fand ein informativer Austausch mit Heinz Högerle und Barbara Staudacher vom Träger- und Förderverein Ehemalige Synagoge Rexingen statt.

„War da was bei uns?“ Die Schüler nahmen „Zweisichten“ mit: Ja: Der Nazi-Terror machte auch vor dem Oberen Nagoldtal nicht Halt! – Ja: Es gab auch Menschen mit Zivilcourage, die für das Leben ihrer Mitmenschen eintraten!